„Man ist nicht behindert, man wird behindert“
Unter diesem Motto konnten die Schülerinnen und Schüler der Jahrgangsstufe 10 an den diesjährigen Methodentagen hautnah erfahren, wie es sich anfühlt, alltägliche Aufgaben mit einer Einschränkung zu bewältigen.
Ein Expertenteam des Landratsamtes, bestehend aus Vertreterinnen und Vertretern mit unterschiedlichen Beeinträchtigungen, besuchte zu diesem Anlass das Grimmelshausen-Gymnasium. Die Expertinnen und Experten ermöglichten den Zehntklässlerinnen und Zehntklässlern nicht nur wertvolle Einblicke in den Alltag von Menschen mit Behinderungen, sondern leiteten sie auch dabei an, selbst praktische Erfahrungen zu sammeln:
Ohne Sehkraft ein Glas Wasser einschenken oder ein paar Stufen auf dem Schulhof überwinden, im Rollstuhl Türen öffnen, Schwellen überqueren oder eine Toilette aufsuchen, sich ohne Worte verständigen oder von Mitschülerinnen und Mitschülern gefüttert werden – all das machte eindrucksvoll deutlich, wie herausfordernd scheinbar selbstverständliche Tätigkeiten sein können.
Diese intensiven Erlebnisse halfen den Schülerinnen und Schülern, sich auf Situationen vorzubereiten, die sie während ihres zweiwöchigen Sozialpraktikums im Januar und Februar in verschiedenen sozialen Einrichtungen erwarten.
„Mich hat am meisten zum Nachdenken gebracht, wie sich Menschen mit Behinderung im Alltag fühlen müssen – vor allem, wenn sie ständig auf Hilfe angewiesen sind.“
„Ich habe gemerkt, wie dankbar ich sein sollte, alles selbst machen zu können.“
Ein weiterer Methodentag stand ganz im Zeichen sozialer Berufsfelder. Auch hier kamen externe Expertinnen und Experten an die Schule, um den Zehntklässlerinnen und Zehntklässlern Einblicke in Berufe in Pflegeheimen, Krankenhäusern, Einrichtungen für Kinder mit Beeinträchtigungen sowie im Bereich der Rehabilitation zu geben. Die Gäste brachten praktisches Anschauungsmaterial mit: Wer wollte, durfte beispielsweise eine Spritze aufziehen und sie in eine Kunststoffhaut injizieren oder mit Wasserperlen, Knete und verschiedenen Balanceboards Übungen aus dem Schulkindergarten oder der Reha für Schlaganfallpatientinnen und -patienten ausprobieren.
Alles in allem konnten die Schülerinnen und Schüler an diesen beiden Tagen wertvolle Erfahrungen sammeln, die sie nicht nur auf ihr Sozialpraktikum vorbereiten, sondern auch ihren Blick auf den Alltag und die Lebenswirklichkeit anderer Menschen erweitern.
Text: Judith Lienhard
Bilder: Iris Rothe
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