Marcel Reif zu Gast am Grimmels: Sei ein Mensch!
Marcel Reif ist den meisten als einer der größten deutschen Sportreporter bekannt, der zahlreiche Olympische Spiele, Fußballweltmeisterschafen und Champions League-Endspiele kommentiert hat.
In den zurückliegenden Jahren hat er sich zur besonderen Aufgabe gemacht, sich gegen Antisemitismus einzusetzen. Mit seiner viel beachteten Gedenkrede zum Holocaust-Gedenktag im Bundestag 2024, in der er die Geschichte seines jüdischen Vaters, der den Holocaust überlebt hat, in den Vordergrund stellte, setzte er ein markantes Zeichen für Menschlichkeit, Toleranz und Antisemitismus.
Am Freitag, den 06.03.2026 besuchte Marcel Reif das Grimmelshausen-Gymnasium, das sich als Europaschule besonders für Demokratieerziehung einsetzt, gleich zweimal. Ermöglicht wurde dies durch die Kooperation mit dem Förderverein der Schule und dem Rotary Club Offenburg-Ortenau.
Am Vormittag traf Marcel Reif mit über 100 Schülerinnen und Schülern der Jahrgangsstufe zusammen. Berichte aus dem erlebnisreichen Berufsleben verbunden mit tiefen Einblicken in seine Biographie, seine jüdische Herkunft und Lebensphilosophie fesselten die Klassen, die die unverstellten, offenen und freien Aussagen Reifs wertschätzten. Reifs Appell zur Menschlichkeit fordert auf, gegen rassistische und antisemitische Hetze aufzustehen und dieser entschlossen entgegenzutreten: Die Schülerinnen und Schüler trügen keinerlei Schuld für das, was in der Vergangenheit passiert sei, aber sie seien alle verantwortlich dafür, sich in der Gegenwart gegen den zunehmenden Antisemitismus und Rassismus zu wenden, bevor es zu spät sei.
Am gleichen Abend war dann die gesamte Grimmels-Gemeinde zur Begegnung mit Marcel Reif und Rulan Manashirov, dem Beauftragten für Antisemitismus der israelitischen Gemeinde Baden, eingeladen. Beide Referenten berichteten im Podiumsgespräch mit Schulleiter Wilfrid Arens und dem Lehrer Erwin Meyer von den stark zunehmenden antisemitischen Vorfällen und nahmen deren Genese und Umfeld in den Blick. Zusammen unterstrichen sie die Wichtigkeit von gesellschaftlicher Teilhabe, kultureller und sportlicher Aktivität zur Stärkung der Persönlichkeit bei Heranwachsenden. Sie gingen auch auf den Einfluss und die Komplexität des Internets ein, sowie die von ihm ausgehenden Gefahren als einem scheinbar anonymen Raum der Stimmungsmache und Falschinformation. Überprüftes Wissen, Bildung und Kompetenz seien unerlässliche Zutaten für richtiges Urteilen und Erfolg. Gerade der Sport biete dank seiner integrativen Art, die Chance Anerkennung zu finden und Vorurteile abzubauen.
Seine pointiert vorgetragenen Einsichten machte Marcel Reif immer wieder an von ihm selbst gemachten Erfahrungen aus seinem Leben deutlich. Nachvollziehbar wurde so auch, warum er sich anders als sein Vater, der lange Jahre geschwiegen habe, dazu entschlossen hat, dieses Thema zu einer Herzensangelegenheit zu machen und darüber zu sprechen. So setzt er sich nachdrücklich für Aufklärung und Verständigung ein und ruft dazu auf. Reif freut sich, seine Zeit mit dieser wichtigen Aufgabe auszufüllen. Sein Appell dabei: dem Hass und der Hetze klare Grenzen aufzeigen. Die Verständigung könne nicht von oben verordnet werden, sondern müsse von unten her entstehen und wachsen. In diesem Sinne betonten sowohl Manashirov als auch Reif die enorm wichtige Rolle von Schule, da dort die Aufforderung „Sei ein Mensch“, die Reif als humanistisches Vermächtnis von seinem jüdischen Vater mit auf den Lebensweg erhalten hat, in Verbindung mit einer starken Bildung täglich weitergegeben und gelebt wird.

Text: Rsn Foto: R. Manashirov


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