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18. Dezember 2025
eingestellt von Lukas Rosenkranz

Weihnachtskonzert des Grimmelshausen-Gymnasiums Offenburg, 16. Dezember 2025

Drei große Gemälde mit großen Kreuzen hinter dem Altar, wie bunte Fahnen großer Länder, deren Farben ineinandergelaufen sind, sehe ich, als ich die evangelische Stadtkirche betrete. Neben dem aufgeschlagenen Evangeliar auf dem Altar (das Vaterunser nach Matthäus) weist nur ein Christstern auf das baldige Weihnachtsfest, davor herumlaufende Kinder auf das baldige Weihnachtskonzert unserer Schule.

Ich setze mich seitlich in eine Bank und mache mir für den gewünschten Beitrag Notizen. Das Stimmen der Instrumente wird noch von den Stimmen der jüngeren Schüler übertönt, die in Grimmelsshirts erschienen sind, uns Älteren wurde ein „So-schwarz-wie-möglich“ verordnet. Ein paar Eltern sitzen bereits in den Bänken und warten geduldig auf den Beginn in einer guten Stunde. Der Unterstufenchor läuft zur Probe in den Altarraum und wieder zurück auf die Plätze. Eltern winken ihren Schützlingen zu und sie ihnen. Erst jetzt nehme ich einen illuminierten Weihnachtsstern wahr, der meterhoch über dem Altar leuchtet. Eine Querflötenmelodie schallt aus der Sakristei. Dann proben Orchester und der Gesamtchor. Die Musik dämpft die Nebengeräusche. Ein kurzes Lob zwischendurch, und der Choral erklingt noch einmal so inbrünstig. Auch Lehrerchor, da bin ich dabei, und Oberstufenkurse singen sich ein. Eine Schülerin braucht noch Noten, die Kleinsten sind mittlerweile wieder die Lautesten.

Viertel nach Sechs: Die vorderen Bänke sind längst belegt, ein Schlagzeug ertönt. Ein Junge hinter mir telefoniert, später wird er ermahnt – frühe Eltern in den Bänken tippen noch letzte Nachrichten in ihre mobilen Geräte, bevor sie während des Konzertes von der Außenwelt abgeschnitten sein werden. Immer rascher füllt jetzt sich das Kirchenschiff, Groß und Klein läuft hin und her, Kinder drängen in die Gänge, um ihre Eltern zu begrüßen, selten so freudig wie heute Abend, hier ein Küsschen für Oma, dort eine Umarmung für Opa. Manch bekanntes Gesicht taucht auf, Eltern, auch ehemalige Schüler, Angehörige der Angehörigen. Die Grimmelsfamilie ist weit, doch man ist sich bekannt. Die Musiklehrer schlendern entspannt durch die Gänge im Wissen, dass alles gut werden wird. Der Geräuschpegel ist nun so, dass die Kinder die Namen ihrer Mitschüler schreien müssen, um Gehör zu finden. Ein Vater telefoniert. Eine Mutter winkt. Sogar die Empore ist belegt, wie ich bemerke. Anderen dient das Telefon bereits als Fotoapparat. Die Gänge leeren sich, das Licht erlischt. Beginnt es nun? Wieder wird es hell, jetzt aber nur noch am Altar. Man klatscht.

Unsere vier Musiklehrer beginnen mit einer Arie von Telemann: Hanna Schmal singt mit sehr zartem Ausdruck, im Mittelteil lässt sie die Schmerzen mit einer chromatischen Tonleiter fühlbar werden. Ihren Sopran umspielt fragend und antwortend die Violine von Angela Bruder-May, genau im Takt bilden Andreas Rückert mit seinem Fagott und Erwin Meyer am Klavier das Bassfundament. Auf das Ende, wie ein Hauch, folgt laute Anerkennung der längst ruhig gewordenen Anwesenden.

Herr Arens grüßt die Schulgemeinschaft. Er dankt der evangelischen Kirchengemeinde, den Musiklehrern. Er zitiert Claudius, wünscht in seiner Ansprache, dass wie das Licht von Weihnachten unser Grimmelshausengymnasium als Europaschule in die Welt strahle, nur Toleranz und Menschlichkeit ermöglichten ein friedliches Zusammenleben; dafür stehe auch unsere Schülerschaft, die insgesamt fünfzehn verschiedene Staatsbürgerschaften aufweise, ein Viertel habe Migrationshintergrund.

Die Unterstufen-Combo von Andreas Rückert ist der nächste Programmpunkt: Nach kurzem, vorsichtigem Abtasten kommt die Gruppe in Schwung und präsentiert drei Weihnachtslieder. Die marschartig arrangierte Melodie von „Kling Glöckchen“ wird durch zauberhafte Glitzerklänge durchbrochen; „Rock My Soul“ zeigt dann, was so eine Band eben ausmacht. Begeisterte Hände spenden Applaus. Geübte Hände bauen für den nächsten Block um.

Auch das Unterstufenorchester fühlt sich bei seinen vier Liedern immer wohler und wächst mehr und mehr zusammen, je länger sie spielen. Angela Bruder-May hat alles im Griff. Die Bläser mit einem Cello erhalten für ihren bravourösen Beitrag gebührenden Beifall.

Als ob sie es geübt hätten, marschiert der Unterstufenchor unter Hanna Schmal auf, derweil präludiert Erwin Meyer dezent auf dem Klavier. Kaum sind sie da, schon geht es los: Französische und englischsprachige Weihnachtslieder stehen auf dem Programm. Alle sind konzentriert bei der Sache. Solistengruppen von Mädchen wie Jungs wechseln mit dem Chor ab. Beim letzten Lied setzt sich die Chorleiterin zur Seite, der Sechstklässler Raphael Fien zeigt, nur vom Klavier begleitet, sein Können in einem Solo, darauf singt der Chor zunächst im pianissimo, dann zuversichtlicher den Schnee herbei. Große Begeisterung.

Die Musikbasisfächer der Oberstufe lassen mit weihnachtlichem Schwung Mary’s Boychild hochleben. Die Instrumentalisten bleiben vorne für die Bigband, die am Marimbaphon von einem Achtklässler ergänzt wird. Das erste Stück nach einer Nummer aus Tschaikowskys Nussknacker ist mit viel Blech über jeden Kitschverdacht erhaben, Maxim Nenninger brilliert dabei mit einem Soloeinsatz am genannten Instrument. Das letzte Stück „Joshua“ beeindruckt mich mit seiner markant absteigenden Tonfolge am Beginn. Der folgende Jubel zeigt, dass ich wohl nicht der einzige bin.

Der Lehrerchor. Herr Engert gibt mir geduldig den Ton, doch erst, als wir das Lied begonnen haben, erwische ich ihn richtig: Ein A-Capella-Kirchenlied aus dem Amerika des 19. Jahrhunderts, dann ein vierstimmiger Choral aus dem Wittenberg des 16. Jahrhunderts. Das Klatschen belohnt uns heute so für das, was wir amateurhaft können, wie uns keines je für das belohnt, was wir professionell können.

Ein besonderer Höhepunkt bei den alljährlichen Weihnachtskonzerten unserer Schule stellt für mich das Orchester dar. Im vergangenen Jahr kam ein Satz einer Beethovensymphonie zum Erklingen, diesmal drei bekannte Werke Bachs. Die reiche Streicherschaft mit bunten Holzbläsern gibt unter Leitung von Angela Bruder-May die pastorale Eingangssinfonia aus der zweiten Weihnachtsoratoriumskantate. Gebannt schauen die Fünftklässler in den Bänken auf ihre älteren Mitschüler an den Instrumenten. Die Jüngste, Leni Raus aus Klasse 6, beherrscht eindrucksvoll ihr Cello; mit sicherer Hand meistert sie alle Lagenwechsel. Dann Menuett und Badinerie aus der zweiten Orchestersuite. Applaus und große Anerkennung.

Beim gemeinsamen Lied aller Teilnehmer und Besucher sehe und höre ich viel von der Weihnachtsbotschaft. Eltern neben ihren Kindern schauen sich beim Glo-o-o-o-o-o-oria-Singen selig an, manch mundfauler Schüler bewegt die Lippen und jubelt mit. Die Botschaft kommt an.

Der große Chor von Erwin Meyer füllt die Gesamtzahl der Mitwirkenden an diesem Konzert auf einhundertsechzig an, fast ein Drittel der gesamten Schule nimmt teil. Die Lieder in verschiedenen Sprachen werden durch Zwischenspiele des Klaviers verbunden, solistische Gruppen wechseln mit dem Gesamtchor ab, Englisch mit Deutsch, Französisch mit Russisch. Mal marschiert eine Melodie von Händel durch den Stall von Bethlehem, mal geht (dieses Jahr die Solopartien ergreifend von Jonathan Busam, Fynn Stumm und Paula Raus gesungen) Maria durch einen Dornwald. Die offenbar harten persönlichen Erfahrungen des Dichters von „Weihnachten mal anders, ohne Hass und Streit“ kontrastieren mit „Weihnachten ist wunderbar“. Muttersprachler berühren uns und offensichtlich auch sich mit russischen und französischen Weihnachtsliedern, mit gesungenen Weihnachtsgrüßen in vielerlei Sprachen unserer bunten Welt (fast wie weiland der Papst). Ein solistisches Quartett, zu den eben genannten tritt Mattia Catini, röstet im letzten Lied Kastanien im Feuer, der Chor setzt ein. Großer Beifall.

Das Schlussstück: Orchester und alle Chöre versammeln sich vorne. Hanna Schmal leitet das große Ensemble, Angela Bruder-May verstärkt mit ihrer Violine, Andreas Rückert mit seinem Fagott das Orchester, Erwin Meyer mit seiner Stimme den Chor. Aus einer Bachkantate: Das Orchester mit lieblich-pastoralen Triolen umrahmt den schlichten Choralsatz der Sänger – oder umrahmt der Choralsatz das Orchester? Ich stehe in der letzten Reihe und versuche, die Basslinie zu treffen. Herr Engert vor mir leitet mich auf den rechten Weg. Die letzte Zeile gesungen, lausche ich den ausklingenden Triolen der Instrumente, bis sie von Hanna Schmal sanft gebremst enden.

Dankbar nehmen wir Akteure die Freude auf, die wir mit unseren weihnachtlichen Liedern geschenkt haben. Dankbar sind wir alle, dass wir heute Abend hier teilgenommen haben. Dankbar schenkt Herr Alender vom Elternbeirat unseren vier Musiklehrern Blumengestecke groß wie kleine Weihnachtsbäume – das Fest kann kommen.

Text: Daniel Adler Fotos: Rsn