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19. Dezember 2024
eingestellt von Lukas Rosenkranz

… und natürlich Musik

Ein Bericht über das Weihnachtskonzert des Grimmelshausen-Gymnasiums in der evangelischen Stadtkirche am 17.12.2024.

Gibt es einen Weihnachtsmann? Diese Frage stellte im Jahre 1897 die 8-jährige Virginia der New York Sun, da diese nach Ansicht ihres Vaters eine wahre Antwort geben würde. Francis P. Church, der damalige Verleger, antwortete Virginia persönlich und bestätigte dem Mädchen, dass es diesen natürlich gebe, allerdings, so fügte er an, könne man diesen nicht sehen, denn er sei Teil einer unsichtbaren Welt. Und diese unsichtbare Welt sei von einem Schleier bedeckt, den „nur Glaube, Phantasie, Poesie, Liebe, Romantik“ beiseiteschieben könnten – und natürlich, so ergänzte der Schulleiter des Grimmelshausen-Gymnasiums, Herr Arens, seinen Vortrag: die Musik.

Und tatsächlich entführten uns die Musikerinnen und Musiker des Grimmels in eine „Welt der tanzenden Elfen“, in eine Welt, die das gesamte Publikum für einen Moment wegführte aus Trubel und Hektik des Alltags, hinein in eine Welt hinter dem Schleier, wo Weihnachtsmann und Schönheit und Phantasie existieren.

Eröffnet wurde der Abend mit Eugène Gigouts Grand Choeur Dialogué, in welchem Bläser und Streicher abwechselnd – vielleicht stellvertretend für den gesamten Abend – in einem Dialog wie Suchende und Antwortgebende wirkten. Die Suche nach dem Unsichtbaren dieser Welt. Dieser Dialog wurde anschließend geschickt fortgesetzt, indem das Publikum beim zweiten Stück des Abends (O Heiland reiß die Himmel auf) den Gesangspart übernahm und somit Musiker auf der einen und Publikum auf der anderen Seite diesen Dialog fortsetzten.

Anschließend trat das Unterstufen-Orchester (Leitung Angela Bruder-May) auf den Plan und intonierte mit glasklaren Querflöten John F. Wades Adeste, fideles, ehe anschließend harmonisch verspielt Quem pastores laudavare dargeboten und wunderbar mit Pierre Dandrieus Weihnachten abgeschlossen wurde. Der langanhaltende Applaus zeugte von dem beeindruckenden Können der jungen Musiker.

An das Unterstufen-Orchester knüpfte sogleich die Unterstufen-Combo von Herrn Andreas Rückert an, die mit einem kräftigen Schlag auf die Bass-Drum das Publikum aus den Bänken riss und mit ihrer Spielfreude und Dynamik begeisterte. Trompete, Saxophon und Schlagzeug spielten rhythmisch, schwungvoll und gerade bei Stern über Bethlehem fast schon rockig bekannte Weihnachtslieder (Alle Jahre wieder; We wish you a Merry Christmas). Die Energie der Combo sprang auf das Publikum über und leitete perfekt zu John Lennons Klassiker Happy X-mas über, der vom Basiskurs Musik der Jahrgangsstufe 1 unter der Leitung von Erwin Meyer großartig dargeboten wurde. Die in die Stille einsetzende Querflöte sorgte für Gänsehaut, das Schlagzeug unterlegte gekonnt einen sanften Beat und der Chor wusste genau die Stimmung des Stückes zu vermitteln. Ein Auftritt, der eigentlich die Lust auf mehr von dieser Truppe weckte.

Bei der Big Band (Leitung Andreas Rückert) freut man sich schon im Voraus auf die spannende und originelle Zusammenstellung und Interpretation bekannter Werke. Und auch dieses Mal begeisterten sie das Publikum mit ihrem Medley A BigBandChristmas featuring Nussknacker. Die Band ist hervorragend aufeinander eingespielt und zeigte ihr Können auch in ihren Soli – egal ob Trompete oder Xylophon, es waren wunderbare Auftritte, die allesamt stimmig und akzentuiert vom Schlagzeug unterstützt und gekonnt in Szene gesetzt wurden. Gerade auch die vielen Übergänge im Medley meisterten die Musiker hervorragend.

Nach dem beswingten Auftritt wurde vom Orchester unter der Leitung Angela Bruder-Mays wieder die sehnsuchtsvolle Seite der Weihnachtszeit im Stück A Holst Christmas von Gustav Holst aufgegriffen. Diese Sehnsucht drückte sich auch in einer sich herrlich aufschwingenden Violine aus. So waren es immer wieder die gekonnten Wechsel aus Traurigkeit und Melancholie einerseits und dem Hinausgreifen andererseits, die diese Sehnsucht auch in die Herzen der Zuhörenden pflanzte.

Dramatisch voranschreitend dann Beethovens 2. Satz der 7. Sinfonie. Sanfte Violinen, über die sich dann so wunderschön die Bratschen schwangen. Dazu starke Bläserpassagen. Ein beeindruckender Abschluss des Orchesters.

Der Raum der Musiker füllte sich nun beachtlich, als der Chor die Bühne betrat. Schön zu sehen und ein Versprechen an die Zukunft ist das noch junge Alter so vieler Sängerinnen und Sänger. Aber zunächst einmal war nur eine einzige Stimme inmitten der Bänke zu vernehmen. Ein einsamer Sucher nach der Freude (Ubi sunt gaudia) wird aufgenommen und integriert in den Chor, der dann mit so viel Kraft und sichtlicher Freude die Antwort liefert: Hier, auf der Bühne, hier sind die Freuden. Und egal ob es der großartig vorgetragene Kanon Seht den Stern, das zum Träumen verleitende Make me channel of your peace oder die wunderbaren Solisten wie unter anderem in Maria durch ein Dornwald ging – in jeder Faser spürte man die Freude und Leidenschaft des Chores, der von Herrn Erwin Meyer geleitet und begeistert wurde. Und passend zur Suche nach der Freude schloss der Chor auch mit Sleigh Ride als freudvolle Antwort ab.

Das perfekte Ende dieses verzaubernden Abends bereiteten Schüler- und Lehrerchor sowie Orchester gemeinsam: Transeamus usque Bethlehem. Nun, vielleicht gingen die Zuhörer nicht ganz bis nach Bethlehem, aber dank der strahlenden, sehnsuchtsvollen und einfach nur schönen Musik ging man mit reicherem Herzen in eine dunkle Nacht hinaus, in der ja der ein oder andere eine Elfe auf dem Rasen tanzen sah.

Text: Wolfang Würthle Fotos: Rsn