
Josef Salomonovic – Einer der letzten Zeitzeugen
Den neunten Klassen des Grimmelshausen-Gymnasiums bot sich am vergangenen Donnerstag die seltene und wertvolle Gelegenheit mit einem der letzten Ausschwitz-Überlebenden zu sprechen. Ermöglicht hat diesen besonderen Besuch eines Zeitzeugen der Deutschlehrer Erwin Meyer, der seit vielen Jahren Kontakt zum 1938 geborenen Josef Salomonovic hält und ihn im Herbst in Wien wiedergetroffen hatte. Die Einladung aus Wien ins weit entfernte Baden nahm der heute 87-Jährige gerne an, denn es ist ihm wichtig über das Unaussprechliche zu berichten.
Still und gebannt hörten die SchülerInnen und Lehrkräfte Josef Salomonovic bei seiner Schilderung der Verschleppung aus Prag und dem Überleben im Ghetto von Litzmannstadt zu. Mit den Erinnerungen als Vierjähriger an seine weißen Bata-Schuhe, die Panik der Eltern, einen Marsch mit viel zu großem Rucksack und Eltern, die ihn abzulenken versuchen eröffnet er den Zuhörenden einen Blick auf den Beginn seiner Leidenszeit im Ghetto. Die Eltern und der Bruder wurden zur Zwangsarbeit gezwungen und der nun fünfjährige Junge verbrachte die Tage alleine. Nur dank der Voraussicht und Aufopferung seiner Familie überlebte Salomonovic diese Jahre im Ghetto, in denen er Hunger litt, die Tage einsam in Angst verbrachte und für die Aufsehern nicht mehr als ein „Parasit“ war. Besonders schlimm war das regelmäßige Verschwinden der anderen Kinder, die gemeinsam mit Kranken und Alten nach Ausschwitz geschickt und ermordet wurden.
Noch schlimmer und unmenschlicher wurde die Situation 1944 für die Familie nach der Auflösung des Ghettos und die Überführung nach Ausschwitz. Mittlerweile fast sechs Jahre alt, aber durch die auszehrenden Bedingungen im Ghetto kaum gewachsen, muss Josel Salomonovic die Trennung von seinen Eltern und die entwürdigende Behandlung durch die AufseherInnen überstehen. Die Details seiner Schilderung wecken Beklemmung bei den Zuhörenden: Der letzte Blick auf seinen Vater, das höhnische Lachen der Aufseherinnen und der lebensrettende Löffel, mit dem der milchzahnlose Junge Kartoffeln essen kann. Die Mutter wird mit den Söhnen weiter ins KZ Stutthof und nach Dresden überführt. Wieder erlebt Salomonovic die Entmenschlichung in Viehwägen und Zwangsarbeit der Familie. Und wieder entgeht er nur durch das Verstecken bei den Apellen dem sicheren Tod. Mit der Bombardierung von Dresden am 13. Februar 1945 wendet sich allmählich das Blatt. Kurz vor Kriegsende gelingt der Familie beim Todesmarsch nach Prina die Flucht.
Erst nach seiner Pensionierung findet Josef Salomonovic die Kraft über diese dunklen Jahre seiner Kindheit zu sprechen. Er hofft, dass die Menschen die richtigen Schlussfolgerungen aus seinen Erzählungen ziehen. Als einer der Letzten, die noch aussagen können, zwingt er sich weiterzumachen, auch wenn ihn danach jedes Mal Alpträume quälen. Eine weitere Gelegenheit an der Geschichte von Josef Salomonovic teilzuhaben, bot sich der Grimmels-Schulgemeinschaft am Freitag in der vollbesetzten Stadtkirche.




Text & Fotos: Rsn
