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24. Mai 2024
eingestellt von Lukas Rosenkranz

Eine musikalische Bilderreise – Die Musiker des Grimmelshausen-Gymnasiums begeisterten mit ihrem Frühlingskonzert im Schillersaal am 16. Mai das Publikum

Malerisch lag der schöne Schiller-Altbau unter dem dunklen, gewitterlastigen Himmel und wie zum Trotz ließen die Schülerinnen und Schüler des Grimmelshausen-Gymnasiums ihre Töne erklingen, um die Sonne in unser Herz zu lassen, um entgegen dem himmlischen Groll uns ein Lächeln auf die Lippen zu zaubern. „Was ist Musik?“, fragte der Schulleiter Wilfried Arens gleich zu Beginn, um mit einem Zitat Rachmaninoffs eine Antwort zu geben: „Musik kommt vom Herzen und spricht nur zum Herzen: Es ist Liebe.“ Und diese Liebe und Hingabe spürte man den gesamten Abend hindurch und sie erreichte unserer aller Herzen.

Mit Jo Jo Calypso von James Nadel wurde der Abend von der Big-Band unter der Leitung von Andreas Rückert eröffnet. Und wie! Der Einsatz der Bläser saß, Saxophon- und Trompeten-Soli stellten sogleich das hohe Niveau der Musiker unter Beweis. Und was besonders bei diesem ersten Auftritt gefiel: Die Big-Band holte die Jüngsten in Form einer Keybord-Gitarren-Percussion-Combo mit an Bord und integrierte den Nachwuchs, der passend zum Wetter mit Raindrops keep falling on my Head seinen großen Auftritt hatte. Abgeschlossen wurde der erste Akt des Abends mit dem Bossa Nova Manha de Carnaval von Luiz Bonfa. Die herausragenden Bläser malten mit ihrem Mit- und Gegeneinander eine karnevaleske Stimmung und entführten die Zuhörer nach Brasilien. Überhaupt kann man sagen, dass zwei Motive den Abend prägten: Zum einen Brasilien und zum anderen das Kino. Und so gelang es den jungen Musikern durchweg, Bilder bekannter Filmszenen oder brasilianischer Lebensfreude auf die Leinwand unserer Herzen zu pinseln.

Als nächstes durfte das Unterstufenensemble unter Angela Bruder-Mays Leitung auf die Bühne. Sie antworteten auf die Raindrops der Big-Band-Combo mit Over the Rainbow aus dem Film The Wizard of Oz. Und tatsächlich trugen die beeindruckend gespielten Querflöten mit ihren himmlischen Tönen das Publikum über die Regenwolken hinaus, sanft begleitet von den Streichern.

Der Filmmusik verpflichtet blieb auch das „große“, aber immer noch junge Orchester, ebenfalls unter Leitung von Angela Bruder-May. Leise setzten die Querflöten zum James-Bond-Theme ein, um dann von den tieferen und unheimlich und bedrohlich wirkenden Klarinetten abgelöst zu werden. So steigerte sich der Ohrwurm von einem leisen Beginn zu einem fulminanten Ende. Ähnlich wurde die Dramatik bei den Highlights from Harry Potter gesteigert: Wirbelnde Querflöten fanden ihren Höhepunkt – sehr schön getragen von den Bratschen und dem Cello – in einem wunderbaren Ende. Doch der krönende Abschluss des Orchesterauftritts sollte erst noch folgen: Allein die ersten Klänge auf dem Klavier ließen einen die Bilder wiedersehen: ein etwas steif und einfältig wirkender junger Mann in seinem cremefarbenen Anzug und seinem blau-weiß-karierten Hemd auf einer Parkbank sitzend, eine Schachtel Pralinen in der Hand. Zuerst träumerisch und dann voller Dynamik streiften die Musiker ebenso abwechslungsreich durch die Triumphe und Niederlagen des Lebens wie Forrest Gump selbst. Streicher und Bläser begleiteten einfühlsam die sich gerade im Finale aufschwingenden hohen Töne der Violinen und groß aufspielenden Querflöten.

So wie auch James Bond „nur“ zweimal lebte, kam die Big-Band nun ein zweites Mal auf die Bühne und ein zweites Mal wurde James Bond angestimmt – dieses Mal aber Skyfall von Adele. Die Big-Band machte diesem besonderen Stück alle Ehre. Was für ein Auftritt! Klar, sauber, kraftvoll schmetterten sie den dramatischen Sturz des Geheimagenten in die Tiefe hin. Ein Zusammenspiel auf hohem Niveau! Im weiteren Verlauf stellten die Musiker immer wieder ihre Vielseitigkeit mit coolen Rhythmen und tollen Soli unter Beweis. Ein gemeinsamer Auftritt von Big-Band und Chor zu The Girl from Ipanema leitete schließlich den letzten Akt des Abends ein: den Grimmels-Chor unter der Leitung von Erwin Meyer.

Hier zeigte sich zum einen die Liebe des Chorleiters zu Brasilien (The Girl from Ipanema; Aquarela do Brazil; Summer Samba; Mas que nada), aber eben auch die Liebe zu herrlichen Melodien, zur Freude am Gesang. Diese Freude offenbarte sich nicht nur in den strahlenden Gesichtern der Beteiligten, sondern auch in großartigen Tanzeinlagen (wie dem Tango zu A Day in the Life of a Fool von Fynn Stumm) und in wunderbar gesungenen Solopartien. Hervorzuheben sind an dieser Stelle zum einen der selbst während der Probetage in der Landesakademie Ochsenhausen entwickelte Kanon Atmen und das letzte Stück des Abends, den man schöner nicht hätte enden können und in welchem der Chor dem Publikum – so schien es – die einfache Frage stellte:

Can you feel the Love tonight?

Ja, man fühlte die Liebe, die ihr, liebe Musiker, in diesen wunderbaren, wundervollen, träumerischen Abend gesteckt habt. Danke!

 

Text: Wth Fotos: Rsn