Das Schulleben am Grimmels

Aus Schülersicht: Abi-Bac Erfahrungen und was kommt danach?

Im Jahr 2018 habe ich mein Abi-Bac am Grimmelshausen-Gymnasium in Offenburg abgelegt. Wenn ich heute an den bilingualen Zug zurückdenke, denke ich zuerst an die Freundschaften, die sich sowohl im Kurs als auch mit französischen Austauschpartnern gebildet haben, sowie an die zahlreichen Türen, die sich mir mit dem Abi-Bac geöffnet haben.

Der bilinguale Unterricht begann für mich in der 9. Klasse mit Gemeinschaftskunde. Zu diesem Zeitpunkt hatten meine MitschülerInnen bereits zwei Jahre Bili-Unterricht in Erdkunde und Geschichte hinter sich – folglich hatte ich also einiges aufzuholen. Doch entgegen der Erwartung, dass mir das Französische das Lernen besonders erschwert hätte, merkte ich schnell, dass ich Glück hatte, nun im Bili-Kurs gelandet zu sein. Einerseits Glück, in eine motivierte und frankreichbegeisterte Gruppe gefunden zu haben, die mich schnell akzeptierte; andererseits aber auch Glück, von nun an eine ganz andere Art von Französischunterricht genießen zu dürfen. Im Gegensatz zu meinen vorherigen Erfahrungen stand von nun an die Sprachpraxis im Vordergrund. So mussten wir in der neunten Klasse ohne Vorbereitung fünf Minuten am Stück über ein frankreichbezogenes Thema sprechen – gar nicht mal so leicht, aber dafür sehr effektiv. Vor allem, weil so schnell die Hemmungen verloren gingen, eine Fremdsprache zu sprechen, selbst wenn man mal einen Fehler macht.

In der zehnten Klasse wurden dann neben Französisch die drei Fächer Geschichte, Erdkunde und Gemeinschaftskunde allesamt auf Französisch unterrichtet. Unsere Lehrer, die nicht nur sehr frankophil waren sondern stets auch viele persönliche Erfahrungen in den Unterricht einfließen ließen, gaben uns einen Eindruck von Frankreich, der über den der Schulbuchseiten weit hinausging. Obwohl wir nunmehr in vier Fächern französisches Fachvokabular brauchten, bedeutete dies für mich/uns kaum mehr Aufwand als den fachlichen, den auch die Nicht-Bilis aufbringen mussten. Das mag daran liegen, dass man irgendwie „in der Sprache drin“ war, sich also damit wohl fühlte, aber eben auch an der Gruppendynamik und der Interaktion im Unterricht. In diesem Jahr standen für uns außerdem einige besondere Ereignisse an: Wir durften an vier Terminen Vorstellungen des französischen Theaters „Maillon“ in Straßburg besuchen und dazu jeweils Workshops mit den Künstlern absolvieren. Außerdem gingen Vertreter unserer Klasse zum „prix des lycéens“, einer Preisverleihung für französische Jugendbücher. Besonders eindrucksvoll war die Klassenfahrt nach Lyon. Mit einer Bili-Klasse aus Strasbourg verbrachten wir eine Woche in der französischen Großstadt, die nicht nur sehr lehrreich war, sondern auch deutsch-französische Freundschaften schuf, die bis heute bestehen.

Deutsch-Französische Freundschaft, das stand auch auf dem Stundenplan groß geschrieben. Immerzu verglichen wir die Geschichte und die Politik in Deutschland mit der in Frankreich und erkannten schnell, dass der Austausch zwischen den Kulturen beider Länder auch heute noch von großer Bedeutung ist.

In der elften Klasse hatten wir dann viel Spaß auf einer weiteren Studienfahrt nach Weimar mit den bereits bekannten SchülerInnen aus Strasbourg. Abgesehen davon war die Oberstufe dann hauptsächlich auf die Vorbereitung auf das Abi-Bac ausgelegt. Diese Zeit intensivierte nochmals unser Wissen über Literatur, Landeskunde und Geschichte, wobei auch weiterhin die Begeisterung der Lehrkräfte eine große Rolle für unsere Motivation spielte. Der gesamte Kurs legte sein Abi-Bac erfolgreich ab.

Ich studiere nun seit Oktober Geschichte und Französisch in einem trinationalen Studiengang auf Lehramt. Das Abi-Bac hat mich geprägt, sogar so sehr, dass ich weiterhin an Frankreich in einem Maße interessiert bleibe, um dort zu studieren und das Französische zu meiner eigenen Berufung zu machen.

J. Vaternam (Abi-Bac Jahrgang 2018)

 

Wer den bilingualen Zug belegt, trifft zunächst einmal die Entscheidung, sich während seiner Schullaufbahn verstärkt mit der französischen Sprache und Frankreich auseinander zu setzen. Wenn man bis zum Abitur durchhält, bekommt man am Ende nicht nur das Abitur überreicht, sondern auch das französische Äquivalent, das Baccalauréat. Doch was macht man nun mit einem solchen doppelten Schulabschluss?

Ein Abi-Bac zu haben, bedeutet nicht, deswegen unbedingt in Frankreich studieren zu müssen oder gar einen binationalen Studiengang zu belegen. Es verpflichtet in keinster Weise dazu, in irgendeiner Art mit Französisch weiterzumachen. Manch einer wird sich wohl nun die Frage stellen, warum man es dann überhaupt macht.

Man darf an dieser Stelle nicht vergessen, dass es sich beim bilingualen Schulprofil nicht alleine um ein Sprachprofil handelt. Wer Geschichte, Geographie und Politik nicht nur aus deutscher, sondern auch aus französischer Perspektive zu betrachten lernt, eignet sich eine neue, andere Sichtweise auf die Dinge an, die einem dann später von Nutzen sein kann. In einem Politikwissenschaftsstudium zum Beispiel. Ich war doch höchst erstaunt, als ich im 3. Semester ein Seminar zu „politischer Systemanalyse und Vergleich“ belegte und bemerkte, dass beinahe niemand etwas über das politische System in Frankreich wusste. Gerade in Bezug auf Europa halte ich das jedoch für äußerst wichtig – immerhin gelten Frankreich und Deutschland als Motoren der Europäischen Union.

Beschließt man später einmal ein Praktikum oder Studiensemester im Ausland zu machen, bietet sich bilingualen Absolventen natürlich auch Frankreich als Alternative zu den englischsprachigen Partnerländern an. Schließlich ist man durch den Unterricht ja schon gewohnt, sich in unterschiedlichen Bereichen Sachverhalte auf Französisch anzueignen, verfügt bereits über ein größeres Vokabular und demnach über ausreichende Kenntnisse in Sprache und Landeskunde. Außerdem erleichtert sich die Bewerbung, da man nicht einmal sein Abitur übersetzen lassen muss – man kann ja ein Baccalauréat einreichen. In Paris musste ich deswegen nicht einmal am Sprachtest für ausländische Studenten teilnehmen, sondern durfte mich ohne Vorbehalte sofort in alle Veranstaltungen einschreiben.

Für alles, was mit Frankreich und Französisch zu tun hat, ist das Abi-Bac selbstredend eine hervorragende Vorbereitung. Aufgrund unseres föderalen Bildungssystems ist das Französischniveau nach dem Abitur nämlich nicht überall in Deutschland gleich; so durfte ich aufgrund meiner Französischkenntnisse ein ganzes Jahr Sprachunterricht überspringen. Auch die wissenschaftliche Lektüre in der Fremdsprache fällt einem im Vergleich zu anderen leichter, da man bereits in verschiedenen Fächern französische Quellen gelesen, analysiert und interpretiert hat und damit vertraut ist, auch unbekannte Sachverhalte in der Fremdsprache zu behandeln.

Meiner Meinung nach vermittelt der bilinguale Unterricht deswegen nicht nur eine sprachliche Kompetenz – diese kann auch ein reiner Französischunterricht liefern – sondern zeichnet sich vor allem durch das Erlernen alternativer Arbeits- und Anwendungsweisen aus, von denen man in vielfältiger Weise profitieren kann. Denn der bilinguale Unterricht bietet einem die seltene Chance, Französisch nicht nur zu lernen, sondern auch gleich anzuwenden und bringt einem obendrein die französische Kultur, Geschichte, Politik, Literatur und Lebensweise näher.

Jedem, der also ein Interesse an Frankreich und der französischen Sprache hat, kann ich deshalb nur wärmstens ans Herz legen, es einfach zu probieren!

I. Litterst (Abi-Bac Jahrgang 2008)

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