GEDENKEN AN REICHSPOGROMNACHT – Lernen aus der NS-Geschichte für 9.-Klässler des Grimmels

Am nicht nur aus deutscher Sicht geschichtsträchtigen 9. November gedachten die Schülerinnen und Schüler der 9. Klassen der Offenburger Gymnasien durch eine Putzaktion der „Stolpersteine“ der erschütternden Ereignisse in der Reichspogromnacht 1938.

Eingeleitet durch eine engagierte Rede auf dem Marktplatz, in der OB Schreiner sich für Toleranz und Liberalität stark machte, erinnerte sie an die dunklen Stunden in der Stadt Offenburg und forderte eine „aktive Einbindung in die Erinnerungskultur“. Gemäß der Idee, ein Mensch sei erst „vergessen, wenn sein Name vergessen ist“ forderte Sie die versammelten Jugendlichen dazu auf, die Erinnerung an die Demütigungen und Verletzungen der Offenburger Juden wachzuhalten.

Dies unternahmen die rund 300 Schülerinnen und Schüler dann in kleinen Gruppen, die jeweils einen oder mehrere sogenannte „Stolpersteine“ putzten. Die Offenburger Stolpersteine sind Teil eines Projekts des deutschen Künstlers Gunter Demnig, das 1992 begann, und Widerhall in ganz Europa gefunden hat. Mit den kleinen, im Boden verlegten Gedenktafeln soll an das Schicksal der Menschen erinnert werden, die in der Zeit des Nationalsozialismus verfolgt, deportiert und ermordet wurden. http://www.stolpersteine.eu/

„Eine ganz wichtige Sache“ fanden denn auch die Grimmels-Schülerinnen und Schüler die Aktion, die gleichermaßen vom Kulturbüro der Stadt, der Schulsprecherinnen und Schulsprecher der Schülermitverantwortung (SMV) und der freien Organisation „Aufstehen gegen Rassismus“ getragen wurde.
https://www.aufstehen-gegen-rassismus.de/lokal/Offenburg/

Für das Grimmels war Schülersprecherin Anna Vitiello besonders aktiv, um die nötigen Absprachen zwischen Veranstaltern und Schule zu koordinieren. Dafür, dass sie souverän die Organisation am Grimmels in Händen hielt, gebührt ihr ein Extra-Lob.

Nach dem Putzen erhielten die Teilnehmer Informationen zu den Verfolgten und den Getöteten, die auf den Steinen eingraviert sind. Ergänzt wurde dies durch das Angebot einer Führung durch die aktuelle Ausstellung im Salmen, die das „Schicksal der jüdischen Gemeinde“ Offenburg nachzeichnet. Der Leiter des Stadtarchivs im Ritterhaus, Wolfgang Gall, und der Ausstellungsmacher, Volker Ilgen, gaben den staunenden Jugendlichen eine eindrucksvolle Einführung, indem sie ihnen von 70 zunächst getretenen, verhöhnten und schließlich vor den Augen der vielen Schaulustigen verhafteten, sowie 3 sogar getöteten Juden berichteten.

Zu verdeutlichen, dass Gefahren der Ausgrenzung und Stigmatisierung nie vorbei sind, „der Schoß“ also „noch fruchtbar“ ist, „aus dem das kroch“, um es mit Brecht zu sagen, war das Ziel einer kurzen Rede von Carmen Lötsch, Leiterin des Kulturbüros, bevor Schauspielerinnen und Schauspieler Zeitzeugen-Berichte rezitierten, eingerahmt von Original-Filmsequenzen der verhängnisvollen Tage um den 9.11.1938. „Die reichsweiten Ereignisse der Pogromnacht wurden in wirkungsvoller Prägnanz mit der Offenburger Lokalgeschichte verknüpft“, meinte bewundernd Alexander Hübner, der als Geschichtsreferendar am Grimmels eine 9. Klasse begleitete.

„Kann man aus Geschichte lernen?“ – Diese Frage bejahte Lötsch, meinte aber, es bräuchte zudem einen „Sinn für Mitmenschlichkeit“. Kaum besser lassen sich so zentrale fachliche wie soziale Aufgaben für uns als Schule im demokratischen Gemeinwesen fassen.

Text und Fotos: M. Steen-Tolle