Das Schulleben am Grimmels

„SO EINEN KRIEGEN WIR NICHT WIEDER“ – ABSCHIED VON OFFENBURGER LEHRERLEGENDE HAASER

Geschrieben von Christian Haist am in Aktuelles, Archiv

38 Jahre wirkte er leidenschaftlich für die Schülerinnen und Schüler des Grimmelshausen-Gymnasiums und prägte das Theaterprofil der Schule wesentlich mit – nun wurde Hansjörg Haaser vom Kollegium und in den Ruhestand verabschiedet.

Dass dies bisweilen auch ein Unruhe-Zustand bleiben wird, liegt am gebürtigen Offenburger selbst, der plant seine Theaterarbeit ehrenamtlich weiter zu betreiben: „Es ist zu schön, um es ganz loszulassen“, meint der Vollblut-Pädagoge, der seine Rolle auch darin sah, „jungen Menschen Wege zu rechtem Leben“ zu weisen und in ihnen ein „Feuer [zu] entzünden“.

Haasers Selbstcharakterisierung als „altmodisch“ stellte Theaterkollege Paul Barone in seiner Laudatio in den Mittelpunkt und erläuterte damit die besonderen Qualitäten Haasers Einsatz: eine „authentische und fachlich gebildete Lehrerpersönlichkeit“, die eine menschliche Lehrer-Schüler-Beziehung etabliere und insofern auch humanistisch wirke. Denn es ginge ihm um die Bildung der „ganzen Persönlichkeit“. Als rührender Beleg dafür, dass er seine zwischenmenschlichen Ziele auch wirklich erreicht hat, dürfte gelten, dass ehemalige und aktive Theaterschüler ihrem Lehrer beim kollegialen Abschied einen Überraschungsbesuch abstatteten.

Schulleiterin Susanne Self-Prédhumeau würdigte die Verdienste Haasers als Deutsch- und Lateinlehrer, der hohe fachliche Ansprüche mit großer Fürsorge für das individuelle Wohlergehen der ihm anvertrauten Jugendlichen verbunden habe. Als Theaterpädagoge sei es ihm vorbildlich gelungen, ihre Begeisterung fürs Theaterspielen zu wecken und zu schauspielerischen Höchstleistungen anzuspornen – was sich über viele Jahre hinweg in den auf besonderem Niveau gespielten Theaterstücken widerspiegelte. Dass Haaser viele Stücke für seine Inszenierungen selbst sprachlich adaptierte und dafür regelmäßig seine Sommerferien verwendete, unterstreiche sein außerordentliches Engagement. Haasers Beständigkeit als altmodisch zu bezeichnen sei dabei zu kurz gegriffen: Durch dessen Gewohnheit, den Schulweg tagtäglich zu Fuß zurückzulegen, lebe er den jugendlichen Klimaaktivisten von „Fridays-for-Future“ zukunftsorientiertes Handeln seit langer Zeit schon vor.

Als altmodisch im positiven Sinne interpretierte Barone auch die „Achtung vor den großen Texten der Vergangenheit und der Schönheit ihrer Sprache“, zuletzt in der Produktion Goethes „Faust“, die im Mai im Salmen den Theater-Reigen Haasers abrundete.

Ob er seinem Kollegen indes dabei zustimmen würde, dass er der Gegenentwurf heutiger Bildungspolitik mit ihren datengestützten Qualitätssicherungs- und Quantifizierungsanstrengungen sei, blieb an diesem Abend offen. Fest steht für ihn im Rückblick, er habe seinen Schülern mitgeben wollen, dass man mit „Fleiß, Engagement und ganzem Herzen bei der Sache“ sein muss, um Erfolg zu haben – hatte Schiller das Theater vielleicht auch deshalb eine „moralische Anstalt“ genannt?

Diesem Anspruch ist der Beinahe-Pensionär selbst über fast vier Jahrzehnte am „Grimmels“ mehr als gerecht geworden. So brachte das Schlusswort eines theatralen Beitrags der Deutsch-Fachkollegen zur Verabschiedung dann die vielfältigen Würdigungen auf den Punkt: „So einen kriegen wir nicht wieder.“ Aber – er ist ja noch nicht weg.

Text: M. Steen-Tolle

Foto: C. Sigrist

 

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