Das Schulleben am Grimmels

Schülertheater „Frau Luna“ im Salmen

Geschrieben von Volker Haase am in Aktuelles, Archiv, Aufführungen, Theateraufführungen

„Männern muss man zeigen, wo es langgeht“, heißt es in „Frau Luna“, dem Stück, das die Theater-AG des Grimmelshausen-Gymnasiums am vergangenen Wochenende zweimal auf die Salmen-Bühne brachte. Nach dem Originalstück von Paul Lincke, dessen Endfassung 1922 bühnenreif wurde, hat Gesamtleiter Hansjörg Haaser den Text an seine Theater-Gruppe angepasst.

Drei junge Männer (im überzeugenden Dreiergespann: Tobias Kropp, Violetta Belaev und David Schiebel) sehnen sich nach der Reise zum Mond. Also lassen sie ihre Wohnung in Berlin zurück – ihre Vermieterin Mathilde Pusebach (Melina Egg) können sie aber nicht abschütteln – und steigen in den selbst gebauten Stratosphärenballon. Nach der Landung auf dem Mond werden sie von Frau Luna (in schillernden Roben: Eva-Maria Hranovski) empfangen, die an Stelle des erwarteten Mannes im Mond die Herrin auf dem Erdtrabanten ist. Neben ihrer kleinen Schwester (bezaubernd verkörpert von Leonie Schulz) ist auch so manch anderer weiblicher Stern auf dem Mond zu Besuch und verdreht den drei Berlinern die Köpfe. In Anwesenheit von so viel Schönheit vergessen die Herren schnell die Verlobte in Berlin oder andere Verpflichtungen. Auch wenn die Damen sich immer wieder im interstellaren Zicken-Krieg aufreiben, vergessen sie nie zu flirten. Neben Publikumsliebling Benedikt Baran als Haushofmeister und Frauenheld Theophil mischt sich auch Prinz Sternschnuppe (Max Graf: cool, aber nicht gefühllos) in den Kampf um die hübschen Sterne ein.
Das Stück, in dem die Liebe ganz klar im Mittepunkt steht, birgt dabei viele Möglichkeiten für Regisseur, Schauspieler, Choreografin und Kostüm-Bildnerin. So hat sich Regisseur Haaser für eine schlichte Kulisse entschieden: Auf eine Leinwand im Hintergrund sind je nach Ort des Geschehens die Dächer von Berlin bei Nacht oder ein strahlender Sternenhimmel projiziert. Felsbrocken, die die Mondumgebung verdeutlichen, ein Bügelbrett, das in der Berliner Dachgeschoss-Wohnung für eine realistische Atmosphäre sorgt, oder Kronleuchter, die den feierlichen Charakter der Mond-Party unterstreichen – Requisiten werden dezent, aber bewusst eingesetzt und erlauben es Wortspielen, zu wirken.
Den Schauspielern gibt es außerdem die Möglichkeit zu strahlen. In den aufwendigen Kostümen, die Silke Herbert, ebenfalls Lehrerin am Grimmelshausen-Gymnasium, zu großen Teilen auch selbst angefertigt hat, ist das nicht schwer. Knapp drei Stunden lang können die Kostüme auf der Salmen-Bühne wirken, und spätestens, als die entzückenden Mondelfen in Tüll über die Bühne tänzeln, ist das Publikum verzaubert.
Ursprünglich als Operette geschrieben, fließen die berühmtesten Musikstücke auch in die Theaterproduktion ein, gesungen wird allerdings nicht, sondern der Text wird zur Musik gesprochen. Musikalische Elemente werden außerdem in sechs Tänze eingebracht, die Julia Kircher mit den Jugendlichen einstudiert hat und die in regelmäßigen Abständen, aber besonders gegen Schluss, Bewegung auf die Bühne bringen.
Nicht selten bringen Dialog und Mimik der Schauspieler das Publikum zum Lachen, sodass kaum jemand den Saal ohne Schmunzeln auf den Lippen verlässt.
Judith Reinbold

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