Das Schulleben am Grimmels

Als Lehrer am Grimmels: Gleich dreimal die richtige Wahl

Geschrieben von Volker Haase am in Aktuelles, Am Schulleben Beteiligte, Lehrer

Das Grimmelshausen-Gymnasium verabschiedet Martin Dittrich, Klaus Herrmann und Knut Schick in den Ruhestand und nimmt dies zum Anlass für die Würdigung verdienstvoller Arbeitsjahre.

 

 

So war Schick nicht nur als Fachbetreuer für Französisch, als Initiator zahlreicher Schüleraustausch-Projekte und als Motor des Bilingualen Zuges an der Schule tätig, sondern auch als Fachberater am Regierungspräsidium Freiburg. Herrmann, der sich für die Fächer Erdkunde und Mathematik ebenfalls langjährig als Fachbetreuer engagierte und als Fachabteilungsleiter an der Gestaltung der Schule mitwirkte, hinterlässt mit einer Sonnenuhr und einem Schulhof-Labyrinth bleibende Spuren. Und Dittrich, der nach wie vor auch selbst als Bildender Künstler tätig ist, gelang es in besonders authentischer Weise, die Ausdruckspotentiale und Talente der Heranwachsenden zu fördern. Ein Interview mit den zukünftigen Pensionären führte Volker Haase.

Wie kamen Sie zum Lehrerberuf und dabei konkret zu Ihren Fächern?

Dittrich: Aus Liebe zur Kunst. Und aus dem Wunsch heraus, diese Liebe an junge Menschen weiter-zugeben, ihnen Kunst als eine Möglichkeit der Weltaneignung näher zu bringen, eine Möglichkeit sich ein Bild von der Welt zu machen. Dabei habe ich mich weniger als Pädagoge, denn als Künstler verstanden, der – wie Kandinsky es etwas pathetisch nannte – die Innere Notwendigkeit verspürte, Kunst machen zu müssen, und der die Kunstvermittlung als Teil seines Kunstmachens betrachtete.

Herrmann: Über die Mathematik: Ich studierte zunächst mit dem Ziel des Diplom-Mathematikers und dem Nebenfach BWL, das mir je länger, je fremder wurde. So wechselte ich nach einigen Semestern zum Studiengang Höheres Lehramt und nahm das Fach Geographie hinzu. – Die richtige Entscheidung und gute Wahl, wie sich herausstellte.

Schick: Schon als Kind wollte ich Lehrer werden. Es war auch eine Art „Familientradition“: es hat recht viele Lehrer in der Familie gegeben. Die konkrete Fächerwahl ging dann neben dem Interesse auf die Lehrerpersönlichkeiten zurück, die ich in Französisch und Erdkunde hatte.

An welche Episode aus Ihrer Zeit am „Grimmels“ erinnern Sie sich besonders gern?

Dittrich: Ein Museumsbesuch mit einem meiner Leistungskurse fällt mir ein, in der Kunsthalle Baden-Baden, Fotografien von Siegmar Polke. Wir hatten uns in einem Raum auf dem Boden niedergelassen, und es entspann sich ein derart intensives Gespräch über die ausgestellten Bilder, dass Museumsbesucher stehen blieben, zuhörten und sich auch am Gespräch beteiligten, durchaus beeindruckt vom Engagement und vom Fachwissen der Schüler. In bester Erinnerung sind mir auch die vielen Studienfahrten nach Wien in Kooperation mit dem Fach Musik und dem thematischen Schwerpunkt „Kunst der Jahrhundertwende“. Vor allem eine Studienfahrt im Jahr 1989 mit einer Gruppe außerordentlich begabter, kreativer und gelegentlich zur Anarchie neigender junger Persönlichkeiten aus meinem Leistungskurs. Einer der Schüler, heute ein vom Feuilleton gefeierter Popmusiker, las bei einem Kursfest, die Zeit war weit fortgeschritten, seine Gedichte vor und beschallte dazu vehement meine Wohnung mit seiner elektrischen Gitarre. Ein freundlicher Polizist, von den Nachbarn gerufen, beendete leider die Performance.

Herrmann: Meine Zeit am „Grimmels“ ist mit ihren 38 Jahren so an- und ausgefüllt mit schönen Begebenheiten, dass ich eigentlich keine besonders herausstellen möchte. (Das Schuljubiläum 2010, wo ich hauptverantwortlich mittat, war sicherlich ein Knaller, aber natürlich eine Singularität!)

Schick: Ich bin insgesamt gerne Lehrer gewesen – es war die richtige Wahl für mich.

Was hat sich im Verlauf Ihrer Jahre im Lehrerberuf verändert?

Dittrich: Die Beschäftigung mit Kunst erfordert unter anderem ein genaues Hinsehen. Das wiederum verlangt Ausdauer und Konzentration, und beides fällt der heutigen Schülergeneration schwerer als früheren Generationen.

Schick: Das sehe ich ganz ähnlich. Viele Kinder sind auch unkonzentrierter oder auch lernunwilliger, ohne dass sich die Elternhäuser auf diese Situation immer adäquat einstellen würden. Heute gibt es aber auch viel mehr administrativen Aufwand und einen ganz anderen Tagesrhythmus, bedingt durch den Nachmittagsunterricht.

Herrmann: Und trotzdem fehlt es der Schule heute vor allem am Bildungsfaktor Zeit, die mit sinnhaften Inhalten gefüllt ist; das Experiment „G8“ als Regelform des Allgemeinbildenden Gymnasiums ist meiner Meinung nach genau wegen dieser unseligen Verknappung gescheitert und hinterlässt Spuren, die keinem verborgen sind.

Was werden Sie nach Ihrer Pensionierung besonders vermissen?

Herrmann: Das Zusammensein mit den Kindern und Jugendlichen, das neben meinen zahlreichen anderen Verantwortlichkeiten als Studiendirektor am „Grimmels“ immer meine Hauptfreude war! Der Lehrerberuf war eine große Erfüllung für mich. – In meiner kleinen privaten Technikerschule, in der ich seit 30 Jahren Studienortleiter bin, bleibt mir die schöne Arbeit mit jungen Erwachsenen, die nebenberuflich ein neues Ziel erreichen wollen.

Schick: Vermissen werde ich die gute Zusammenarbeit in den Kollegien am „Schiller“ und am „Grimmels“, aber v. a. natürlich den Unterricht selbst.

Dittrich: Zur Eröffnung des „Grimmels“-Neubaus 1980 stellte ich zwei meiner Bilder im Schulhaus aus. Großformatige, ungegenständliche und gestische Bilder, die bei so manchem reflexartig die üblichen Reaktionen hervorriefen. Nicht bei den Schülern, die offen und interessiert das Gespräch mit mir suchten. Das Unverbildete, ihre noch nicht so sehr durch Konventionen verkrustete Offenheit in Wahrnehmung und Denken war für mich stets das Faszinierende an der Arbeit mit jungen Menschen. Und das ist das, was ich am meisten vermissen werde, ebenso wie ihre frischen und oft bemerkenswerten kreativen Einfälle. Vermissen werde ich auch den täglichen Kontakt mit den Kollegen. Das freundliche Miteinander in unserem Kollegium empfand ich als sehr wohltuend.

Worauf freuen Sie sich in Ihrer Zeit als Pensionär?

Dittrich: Mehr Zeit in meinem Atelier verbringen zu können.

Schick: Zeit ist es auch bei mir, und konkret in meinem Fall auch, um weiter wegreisen zu können, etwa nach Neuseeland und Patagonien.

Herrmann: Ich freue mich auf mehr Selbstbestimmtheit – in Zufriedenheit und mit stabiler Gesundheit im Kreise meiner Familie.

Welche Ratschläge haben Sie für die nachrückende Lehrergeneration?

Schick: Das ist schwer zu sagen: Die jungen Kollegen gehören einer anderen Generation mit neuen Ideen und Einstellungen an. Und auch die Bedingungen sind total anders.

Dittrich: Daher wünsche ich den neuen Kollegen auch gute Nerven und eine robuste Gesundheit!

Herrmann: Aber auch die engagierte pädagogische Arbeit mit den Kindern, Jugendlichen und Referendaren lohnt sich nach wie vor – unbedingt!

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