Das Schulleben am Grimmels

Junge Theaterakademie inszeniert „Robin Hood“

Geschrieben von Christian Haist am in Aktuelles, Archiv, Junge Theaterakademie Offenburg, Theater am Grimmels, Theateraufführungen

Mit einer märchenhaft bunten Inszenierung von „Robin Hood“ überzeugte die Junge Theaterakademie am ersten Dezember-Wochenende. Paul Barone hat in Co-Regie mit Patrick Labiche und Stephanie Scherer den Stoff modernisiert, adaptiert und mit eigens komponierter Musik (Jan Esslinger) für Groß und Klein auf die Bühne gebracht.

Eine Gruppe von Spielleuten führt kurzweilig durch das Geschehen, souverän lenken sie Raum und Zeit: Robin Hood gründet nach dem Tod ihrer Eltern, zusammen mit ihrem Bruder Aiden, eine Bande im Wald von Sherwood. Sie haben es sich zur Aufgabe gemacht, den Reichen ohne Gewalt Geld zu stehlen und es den Armen zu geben. So überfallen sie wiederholt die fünf reichsten Frauen des Königreichs, die mit schauspielerischer Finesse glamourös und übersteigert zickig gespielt werden.

Ein wandelbares, in Kooperation mit der Kunstschule erstelltes Bühnenbild (Leitung: Michael Witte) ermöglicht den temporeichen Wechsel zu den anderen Schauplätzen: In poetisch inszenierten Sequenzen drehen sich wie von Zauberhand, von den Spielleuten aus der Ferne gelenkt, fünf mit abstrakten Farbflächen bemalte Holzkästen (Robins Bande kann blitzschnell in ihnen verschwinden und sie von innen fahren). Von atmosphärisch dichter, nuancenreicher Musik untermalt, wechselt der Schauplatz fließend vom Wald zur Stadt oder zum Hof von König Richard.

Sein böser, egoistischer Bruder Prinz John wirft Richard in den dunkelsten Kerker und lässt sich von Gisela, die in Szenen voller pfiffiger Einfälle für viele Lacher sorgt, zum König krönen. Nachdem es Robins Bande gelungen ist, König Richard zu befreien, ruft John zum großen Kampf auf – von Onisha Wilsi und Sebastian Scheringer ausdrucksstark choreografiert. In einem berührenden Schlussbild singen alle gemeinsam das Bandenlied, das die sehr aktuelle Botschaft des Stücks auf den Punkt bringt: Nur Solidarität, so wie Robins Bande sie verkörpert, kann den Weg zu einer gerechten Gesellschaft bahnen.

Das Schauspiel bietet viele originelle Szenen, die zum Lachen einladen. So wenn das muskelbepackte „Biest“ dem Hauptmann durch archaisches Brüllen seine tiefsten Gedanken verrät oder schräge Liebesszenen wild mit Klischees spielen: Die Sheriffin macht sich an Prinz John wegen des Geldes ran, der Sheriff ungeschickt an die junge unschuldige Lady Marian, eine überdrehte Wache an Bruder Tuck, der als Mönch vor Scham beinahe umfällt. Im Wald dagegen sorgen die süßen Rehe für herzerwärmende Momente.

Opulent, farbenfroh und mit viel Liebe zum Detail sind die Kostüme gestaltet (Leitung: Cornelia Barone), die im Zusammenwirken mit dem Schauspiel, dem Bühnenbild eindrucksvolle Szenenbilder erzeugen. Ein Teil der Kostüme wurde in Projektarbeit unter der Regie von Ingrid Neliba, Sabine Berszinski  und Veronika Wagner von Schülerinnen und Schülern der Haus- und Landwirtschaftlichen Schulen genäht.

Das Gemeinschaftsprojekt des Theater am Grimmels, der HLSOG und der Kunstschule zeigt an sich so den Zusammenhalt, den sich Robin für Richards Königreich wünscht. Zu Recht tosender Beifall im dreimal vollbesetzten Salmen.


Text: N. Wendling
 

 

Hier finden Sie zusätzlich einen Pressetext von N. Augenstein aus der BZ.


Fotos: K. Neckermann

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