Das Schulleben am Grimmels

Grimmels Theater-AG präsentierte Komödie von Grabbe

Geschrieben von Christian Haist am in Aktuelles, Aufführungen, Theater AG, Theater am Grimmels, Theateraufführungen

Im Salmen präsentierte die
Theater-AG der Oberstufe des Grimmelshausen-Gymnasiums am 16. und 17. November
die Komödie „Scherze, Spaß und tieferer Sinn“ nach Christian Dietrich Grabbe,
der ein Zeitgenosse Büchners und Vertreter des realistischen Dramas im 19.
Jahrhundert war.

Es sei ein Theaterstück mit
einem „desillusionierenden, pessimistischen Weltbild als Basis“, erklärt der
stellvertretende Schulleiter Christian Haist, als er den Abend der zweiten
Aufführung mit einer Rede initiiert. So muss es wohl auch vom Autor
beabsichtigt sein, der die Welt erbarmungslos als „mittelmäßiges Lustspiel“
beschreibt und in den Gegensatz stellt zum klassischen, idyllischen Weltbild
seiner Zeit. Trotz allem wird dem Zuschauer schnell klar: Er darf gespannt sein
auf einen Abend reich an Sarkasmus, Figuren, die aus ihrer Rolle fallen und
alldem voran: Humor.

Eingeleitet wird das Stück mit
spielerisch melancholischen Klängen des Rondo Veneziano, welche sich
kontinuierlich durch die gesamte Vorstellung ziehen werden. Das Publikum blickt
auf die reglose Frau Konrad (Ana Marija Dimoska), die, eingewickelt in eine
grüne Decke, im Zentrum der Bühne liegt. Langsam erwacht sie und nimmt sich der
Zuschauer an, um sie in die zahlreichen Protagonisten des Stücks einzuführen.
An Vielfalt mangelt es diesen keineswegs: Von einer feinen Gesellschaft über
Liebhaber, Schulmeister und nicht zuletzt den Teufel höchstpersönlich wird eine
Bandbreite an Charakteren angeboten, die jedoch im Laufe des Stücks ausnahmslos
parodiert werden sollen.

Hansjörg Haaser, Leiter der
Theater-AG, beschränkt sich in dieser weiteren, sehr gelungenen Inszenierung
auf eine schlicht gehaltene Kulisse, was den Figuren genügend Platz gibt, sich
zu entfalten.

In einer fraglichen Welt dient
Parodie hier also als Werkzeug, menschliche Schwäche zu enttarnen und sie
gleichzeitig zu legitimieren. Es entwickelt sich Sympathie, nicht nur für die
erfolglose Dichterin (Céline Ens) oder den unglücklich Verliebten, sondern auch
für die jungen Teufel (Emilija Nikolovska und Magali Héluin), die auf der
kalten Erde zum Frieren verdammt sind, da in der Hölle gerade geputzt wird.

In diesem Zusammenhang sind
auch die Bäuerin Katharina (Olivia Marie Seidt) und ihre vorgeblich hochbegabte
Tochter Elke (Rebekka May) zu betrachten, als letztere bei der trinksüchtigen
Schulmeisterin (Emilia Herzog) unter Bestechung in Unterricht gegeben wird.

Im Zentrum der feinen
Gesellschaft steht Liddy (Noémie Bruhier), die Nichte der Gräfin (Nancy
Rohrbach), die mit dem geldgierigen Herrn von Wernthal verlobt ist, vom Adligen
Freiherrn von Mordax begehrt, doch einzig vom hässlichen Herrn Mollfels
(humorvoll von Alexander Rummel) geliebt wird.

Letztlich findet das Publikum
vier Wissenschaftler vor, die den Untergang der Welt prophezeien und sich
deshalb ständig metaphorisch mit einem Stein den Kopf zerbrechen.

Diverse Literaturreferenzen,
sogenannte Verfremdungseffekte (der Zuschauer wird direkt angesprochen) und
zahlreiche Wortspiele runden dieses Szenario gekonnt ab und animieren das
Publikum, in all den Scherzen den tieferen Sinn zu suchen, scheinbar zu
„suchen, was gar nicht vorhanden ist“. Oder etwa doch? Immerwährend lässt der
Autor diesen tieferen Sinn der Dinge anklingen und spinnt damit ein
Gedankennetz aus Schicksal, Literatur, Gier und Gedankenlosigkeit sowie vielen
anderen Impulsen. Vieles kritisiert er, doch kommt sein Werk zu einem
hingebungsvollen Urteil, das für die Menschen plädiert „die Liebe ist´s“.

Auch auf visueller Ebene wird
der Zuschauer nicht enttäuscht. Die unter der Leitung Silke Herberts, ebenfalls
Lehrerin am Grimmels, toll gestalteten Kostüme sowie die Maske unterstützen
ausdrucksstark die Aussagekraft der Charaktere. Im Hintergrund wird zudem zu
jeder Szene ein passendes Bild projiziert. Neben der Musik wird auch mit einer
Stimme aus dem Off gearbeitet.

Nach der Pause spitzt sich die
Handlung des Stückes zu. So veranstaltet die Schulmeisterin zunächst ein großes
Saufgelage, das sich, authentisch gespielt, im Publikum großer Beliebtheit
erfreut.

Im düsteren Wald erreicht das
Geschehen schließlich seinen Höhepunkt. Nachdem das Dorf erfährt, welch abgekartetes
Spiel die zwei Freier Wernthal (Maxim-Alexander Thoma) und von Mordax
(Publikumsliebling Amelie Börsig) spielen, mobilisiert es alle Mitglieder, um
der unglücklichen Liddy aus der Patsche zu helfen. In einem eindrucksvollen
Tanz werden die beiden Bösewichte schließlich vertrieben und Liddy heiratet
endlich ihren Herrn Mollfels.

Der allerletzte Auftritt gebührt
dem Dichter selbst („der vermaledeite Grabbe“, gespielt von Benedikt Albert),
der mit einer Laterne in der Hand die Bühne betritt, fast so, als bringe er
selbst etwas Licht in diese von ihm so ungnädig angesehene Welt.

Text: J. Vaternam

Fotos: J. End