Das Schulleben am Grimmels

Engagés Pour La Paix En Europe – 9ab (BZF) in Strasbourg im Parlament bei den Gedenkfeiern

Geschrieben von Ralf Buser am in Aktuelles, Archiv

Von Donnerstag, dem 08.11.2018, bis
Sonntag, dem 11.11.2018, nahm der bilinguale Zug der Klasse 9 des
Grimmelshausen-Gymnasiums an dem von der internationalen Organisation AFS
(American Field Service) organisierten Workshop „S’engager pour la paix en
Europe – Engaging for peace in Europe“ in Strasbourg mit über 173 SchülerInnen
aus 43 Ländern teil.

Untergebracht waren unsere 12 Schülerinnen und Schüler im Séminaire de Walbourg und in Familien bei Haguenau.

Für die freundliche Aufnahme unser
Schüler und Schülerinnen möchten wir uns ausdrücklich bei den Schülern, ihren
Familien und Lehrerinnen bedanken!

Zunächst stand am Freitag ein
Workshop zum Thema „Frieden“ im Europäischen Parlament auf dem Programm.
Begrüßt wurden wir von den Organisatoren, dem AFS, der im Ersten Weltkrieg
verwundete Soldaten von der Front mit ihren Ambulanzfahrzeugen in Krankenhäuser
gebracht hatte. Nach dem Ersten und Zweiten Weltkrieg reorganisierte sich der
AFS und vermittelt seither Schülerbegegnungen weltweit, um dem Friedenserhalt
zu dienen.

Ein erster Höhepunkt am Vormittag war die Begegnung der Jugendlichen mit der elsässischen Europaabgeordneten Frau Anne Sander. Sie zeigte den Schülern, dass die Europäische Union und die europäischen Institutionen für die Europäer da sind und dass alle das Ziel haben, das Leben der Europäer zu verbessern. Dazu seien auf europäischer Ebene aber immer Kompromisse nötig, da alle Mitgliedsstaaten unterschiedliche Interessen hätten. Dennoch, so ihr Appel, müssten wir tagtäglich für dieses Europa kämpfen, da es von Extremisten – links wie rechts – bedroht werde. Sie rief die Teilnehmer/innen zur aktiven Teilnahme an der Gestaltung Europas aber auch zu Mobilität innerhalb Europas auf. Hierbei verwies sie auf zahlreiche (europäische) Austauschprogramme, wie z.B auf das des AFS. Nur wenn man sich kenne, Kontakte in anderen Ländern habe, habe man eine effiziente Waffe gegen Krieg, so Frau Sander. Im Anschluss an ihre Rede gab es die Möglichkeit, Fragen an die Abgeordnete zu stellen, was rege genutzt wurde.

Im weiteren Verlauf wurden die Schülerinnen und Schüler bunt in Gruppen zusammengemischt, um sich durch verschiedene Aktivitäten kennen zu lernen. Gleichzeitig führten diese Aktivitäten schon in die Arbeitsphase am Nachmittag ein, indem die Schüler aber auch die Lehrer ihre Ideen zum Begriff „change-maker für den Frieden“ zusammentrugen. Am Nachmittag stand die Frage „was können wir tun, um die Welt etwas besser zu gestalten?“ im Mittelpunkt. Die Klasse 9 diskutierte diese Frage leidenschaftlich in einem Raum, in dem die Ausschüsse des Parlaments tagen. Am Ende sollte dann ein erster Plan allen Teilnehmern vorgestellt werden – und zwar in Form eines „Elevator-Pitch“: Alle Gruppen hatten zwischen 30 und 60 Sekunden Zeit, ihr Projekt für den Frieden auf kreative Art und Weise vorzustellen. Die Klasse 9 aus Offenburg möchte in Form eines Theaterstückes dem Thema „Sexismus“ in der Schule den Kampf ansagen.

Der Tag wurde abgerundet durch den
Besuch der US-amerikanischen Generalkonsulin, die die Ideen der Teilnehmer
würdigte und zu deren Umsetzung aufrief.

Bevor wir am Samstag zur
Gedenkveranstaltung auf den Hartmannsweilerkopf fuhren, diskutierten wir mit
unseren französischen Freunden aus Roanne bei Lyon und Walbourg weiter darüber,
wie man Frieden erhalten kann. Animiert wurde die spannende Diskussion von
einer AFS’lerin, die von ihren Erfahrungen berichtete. Die Gedenkveranstaltung
zum Ende des Ersten Weltkrieges am Hartmannsweilerkopf, die im Zeichen der
deutsch-französischen Aussöhnung stand, beeindruckte uns sehr. Besonders
rührend war die Tatsache, dass neben der französischen auch die deutsche
Nationalhymne gespielt wurde. Auf der Gedenkfeier wurden mahnende Worte des
französischen Präsidenten Emmanuel Macron vorgelesen. Eine Rednerin sprach
davon, dass sie, wie Adenauer auch, von den „Vereinigten Staaten von Europa“
träume. Die Präsidentin des Regierungsbezirks Freiburg warb ebenfalls dafür,
dass Deutsche und Franzosen ihre Zukunft gemeinsam in die Hand nehmen. Neben
offiziellen Reden lasen außerdem auch Grundschüler aus Frankreich Auszüge aus
Feldpostbriefen auf deutsch und französisch vor, die die Abscheulichkeit des
Krieges vor Augen führten. Die Schüler zeigten sich auch sehr betroffen von den
vielen tausend Kreuzen und Gräbern.

Am Abend stand ein großes Essen im Offiziersheim „Cercle Messe“ auf dem Programm, das uns sehr beeindruckte.

Am Sonntag gedachten wir abermals in Strasbourg – diesmal bei Sonnenschein – dem Ende des Ersten Weltkrieges. Schweren Herzens verabschiedeten wir uns nach der Zeremonie von unseren neuen Freunden aus Frankreich und der ganzen Welt, vereinbarten aber, dass wir uns durch die Projekte noch einmal austauschen wollen und eventuell sogar grenzüberschreitend tätig sein möchten.

Text und Fotos: J. Schürer

Hier können Sie einen Schülerbericht zum Friedensprojekt lesen.