Das Schulleben am Grimmels

Das Publikum bestimmt den Titel

Geschrieben von Volker Haase am in Aktuelles, Aufführungen, Theateraufführungen

Abschlussarbeit der beiden Literatur-und-Theater-Kurse des Grimmelshausen-Gymnasiums.

„Carpe diem!“, „Back to the present“ oder doch „Was ist erfüllte Zeit?“ Das Stück der beiden Literatur- und Theater-Kurse des Grimmelshausen Gymnasiums, die die selbst geschriebenen Szenen zweimal auf die Bühne des Theaterraums im Kapuzinerkloster brachten, hatte keinen Titel. Zwar hatten beide Kurse in den beiden vergangenen Jahren unter der Leitung ihres Lehrers Paul Barone zum Thema Zeit gearbeitet, jedoch zu unterschiedlichen Schwerpunkten. So durfte das Publikum am Ende über den Titel abstimmen.

Die Uhr tickt. Nacheinander kommen rund zehn Schauspieler auf die Bühne. War früher alles besser? Diese Frage stellen sich die Figuren des ersten Kurses in verschiedenen Szenen. Dabei teilt sich jede der vier Epochen der Vergangenheit wieder in zwei Teile. Zunächst ist da die romantisierte Vorstellung: Wie mutig waren doch die Sklaven, die sich gegen ihre Besitzer gewehrt haben, wie tapfer die Cowboys, die jeden umbrachten, der sich ihnen in den Weg stellte. Dann die zweite Version: Waren die Sklaven vielleicht doch einfach nur Egoisten, haben die Cowboys in Wahrheit betrogen, was das Zeug hält und sich nicht getraut, jemanden umzubringen? Fazit: Nein, natürlich war früher auch nicht alles besser!
Die zweite Gruppe dagegen hatte eine inhaltlich weniger zusammenhängende Collage gestaltet, die durch die Frage „Was ist erfüllte Zeit?“ eher lose verbunden war. Wie auch in der ersten Gruppe, wurde hier das Bühnenbild sehr schlicht gehalten, die Akteure, alle in schwarz, standen als mehr oder weniger anonyme Charaktere im Mittelpunkt jeder Szene. Musik kann erfüllen, aber für jeden ist es andere Musik: HipHop, Klassik, Jazz. Lesen kann erfüllen. Aber was, wenn man sich selbst zum Außenseiter macht? Sport kann erfüllen. Dabei sind jedoch oft nur wenige wirklich motiviert – und dann wird es schwierig mit dem Teamgeist.
Insgesamt arbeiten die Schüler seit knapp zwei Jahren am Stück, zusammengesetzt wurde aber erst seit dem letzten Winter. Dabei wurden alle Beteiligten vor nicht geahnte Herausforderungen gestellt. „Die Gruppenorganisation war echt schwer“, sagt David Povkh, Schüler am Grimmelshausen-Gymnasium, zum Beispiel nach dem Stück. „Für das Spielen vor Publikum gab es aber keine Note, wir sollten einfach Spaß am Spielen haben – und das hatten wir“, erklärt er.
Besonders ist das Stück, weil es durch die eigene Autorschaft so persönlich wurde: „Es war auch etwas Besonderes, einmal den ganzen Entstehungsprozess mitzubekommen“, sagt Christina Repke, eine der Kooperations-Schülerinnen, die vom Oken-Gymnasium für diesen Kurs am Grimmelshausen-Gymnasium zu Besuch waren. „Von uns allen ist ein Stück da drin“, sagt sie. Grimmels-Schülerin Onisha Wilsi ist sich sicher: „Ich glaube, wir haben auch tiefgründiger gewirkt, als es uns Erwachsene im Allgemeinen so zutrauen.“
Das Publikum hat bei beiden Darbietungen für den Titel „Zeit – eine Collage“ votiert. Ein Titel, der von den Schülern als zu langweilig eher abgelehnt wurde. Doch trotz aller Titel-Diskussionen traten die Abiturienten geeint auf. Schließlich war es für sie nicht nur die Abschluss-Aufführung des Literatur- und Theater-Kurses, sondern auch die ihrer Schulzeit.
Text und Foto: Judith Reinbold.

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