Das Schulleben am Grimmels

Besuch der 10. Klassen im Europaparlament in Straßburg

Geschrieben von Christian Haist am in Aktuelles

Die Europäische Union und ihre Entscheidungen beeinflussen unseren Alltag maßgeblich – nicht nur beim Bezahlen in Euro oder beim Überqueren einer Landesgrenze (ohne Grenzkontrolle), sondern auch beim Einkaufen, Telefonieren, bei einem Schüleraustausch und in vielen anderen Bereichen (s. https://what-europe-does-for-me.eu/de/home). Für uns junge Menschen ist es zur Normalität geworden, ohne großen bürokratischen Aufwand in andere Länder zu reisen und dort problemlos mit der gleichen Währung bezahlen zu können. Aus diesem Grund besuchten die 10ten Klassen des Grimmels zusammen mit ihren jeweiligen Gemeinschaftskundelehrerinnen Frau Scheller, Frau Herbert und Frau Dietz im Zuge der Unterrichtseinheit „Die Europäische Union und deren Politik“ einen der Orte, an denen elementare Entscheidungen für Europa und seine Bewohner getroffen werden.

Wir begannen unsere Exkursion am Dienstag, den 15.01.2019 um 6:50 Uhr am Offenburger Bahnhof und machten uns dann, zuerst per Zug und später per Tram, auf in Richtung Straßburg zur Besichtigung des Europaparlaments. Nach erfolgreichem Passieren der Sicherheitskontrolle begann unsere Führung durch das Parlamentsgebäude mit ein paar einleitenden Filmsequenzen, welche uns in einem eindrucksvollen 360°-Kino präsentiert wurden. Diese kurzen Filmsequenzen ermöglichten uns einen ersten, aber dennoch sehr präzisen Einblick in die Geschichte, die Arbeit und die Funktion des Europäischen Parlaments. Wir wurden unter anderem über den Ablauf der sogenannten Plenarsitzungen und über die Entstehung der europäischen Gesetze informiert.

Nach den Filmsequenzen erwartete uns ein Vortrag, welcher von einem Mitarbeiter des Europäischen Parlaments gehalten wurde. Im Zuge dieses Vortrags wurden uns zentrale Akteure der EU vorgestellt, darunter der Präsident der Europäischen Kommission Jean-Claude Juncker, der Präsident des Europäischen Parlaments Antonio Tajani und der Präsident des Europäischen Rates Donald Tusk. Des Weiteren wurde unser Referent nicht müde zu betonen, dass eine Institution von der Größe der Europäischen Union nur durch das gemeinsame Debattieren über Probleme und das Eingehen von Kompromissen bestehen kann und dass das Europäische Parlament hierbei eine Schlüsselfunktion einnimmt. Die Europäische Union gründet sich maßgeblich auf der Kooperation ihrer Mitgliedstaaten und auf der Kombination der Stärken und Schwächen der jeweiligen. Hieraus ergibt sich die sogenannte Europäische Devise “In Vielfalt geeint“. Nur durch diese wirtschaftliche und politische Einheit innerhalb der EU ist es möglich, großen einflussreichen Weltmächten wie beispielsweise den USA oder China auf Augenhöhe zu begegnen und mit diesen in Verhandlung zu treten.

Im Anschluss an den Vortrag folgte einer der Höhepunkte unseres Besuches im Europaparlament. Es bot sich uns die Möglichkeit, an einer der Sitzungen im Plenarsaal des Parlaments teilzunehmen und den Reden der einzelnen Abgeordneten zu lauschen, welche, wie uns zuvor erklärt wurde, von internationalen Dolmetschern simultan in alle 24 Amtssprachen der Europäischen Union übersetzt wurden. Auf der Tagesordnung stand das brandaktuelle und brisante Thema „Flüchtlingspolitik“. Unter diesem Aspekt wurden insbesondere der Umgang mit den Flüchtlingen und deren Verteilung innerhalb der EU diskutiert. Als eine weitere positive Überraschung an diesem Tag stellte sich heraus, dass bei der Plenarsitzung, an welcher wir teilnehmen durften, auch einige bedeutende Politiker zugegen waren. So zum Beispiel der EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker und der österreichische Bundeskanzler Sebastian Kurz, welcher anlässlich der Abgabe des EU- Ratsvorsitzes Österreichs an Rumänien eine kurze Ansprache hielt.

Nachdem wir den Prozess im Plenarsaal zunächst passiv als Zuhörer verfolgt hatten, bot sich uns im Anschluss die Möglichkeit, im Zuge eines Rollenspiels selbst aktiv zu werden. Bei besagtem Rollenspiel konnten wir ganz intuitiv die Arbeit des Europäischen Parlaments und dessen Auswirkungen auf das Leben der Bürger kennen lernen. Jeder von uns schlüpfte in die Rolle eines Abgeordneten des EU-Parlaments, der einer der vier fiktiven Parteien angehörte (Konservative, Soziale, Liberale und Ökologische). Zudem wurden wir in zwei Ausschüsse aufgeteilt. Während sich der erste Ausschuss mit der Frage beschäftigte, wie Trinkwasser eingespart werden könnte, diskutierte der zweite Ausschuss über die Implantation von Mikrochips zu wirtschaftlichen und Sicherheitszwecken. Bei den Verhandlungen waren Zusammenarbeit und Überzeugungskraft gefordert, denn keine der Parteien war gewillt, den Forderungen der jeweils anderen nachzugeben. Doch nach langen Debatten einigten wir uns in den Ausschüssen schließlich auf gemeinsame Gesetzentwürfe. Wir erfuhren in diesem Rollenspiel also hautnah, wie langwierig und herausfordernd die Arbeit des EU-Parlaments sein kann.

Text: C. Ens (10b)

 

   

Fotos: S. Scheller

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