Das Schulleben am Grimmels

Archiv für 7. Januar 2020

Drittortbegegnung Weimar 2019

Geschrieben von Christian Haist am in Aktuelles, Archiv, BZF-Fahrten, Fahrten und Exkursionen

Der erste Tag der Kursfahrt nach Weimar begann am Sonntag um 6.00 Uhr am Bahnhof Offenburg, wo wir, die 11 Schüler des Grimmelshausen-Gymnasiums, auf die 28 französischen Schüler des Lycée Episcopal Saint-Etienne trafen. Um die Anreise bestmöglich zu nutzen, legten wir einen Zwischenstopp in Eisenach ein. Dort erklommen wir nach kleineren Kommunikationsproblemen die Wartburg. Oben angekommen, machten wir eine kleine Mittagspause und genossen bei strahlendem Sonnenschein die schöne Aussicht auf den Thüringer Wald. Eine dynamische Reiseführerin erzählte uns in rasantem Tempo von der heiligen Elisabeth, Luther und dem Wartburgfest der Burschenschaftler, sodass wir eine kleine Verschnaufpause in der Altstadt Eisenachs wirklich nötig hatten. Am späten Nachmittag brachen wir dann zu unserem eigentlichen Reiseziel auf. Nach dem letzten anstrengenden Fußmarsch mit unseren lärmenden Rollkoffern im Schlepptau erreichten wir die europäische Jugendbegegnungsstätte in Weimar.


Foto: N. Saier

Für das Programm der Woche teilten wir uns in drei Gruppen ein, die in den ersten Tagen zu unterschiedlichen Gebieten der Weimarer Kultur Informationen sammelten, um dann in der zweiten Hälfte des Aufenthalts kreative Beiträge für das Projekt YOUPEDIA der Klassik-Stiftung Weimar zu erstellen:

Selbstverständlich arbeitete eine Gruppe zur „Weimarer Klassik“. Wir besichtigten – nachdem wir uns bei einer Foto-Rallye einen allgemeinen Überblick zum Thema verschafft hatten –  das Nationalmuseum und die Wohnhäuser Schillers und Goethes. Dabei fiel uns besonders auf, dass Goethe sein Haus bereits zu Lebzeiten in ein Museum verwandelte. Wir lernten außerdem, dass sein guter Freund Schiller finanziell nicht so schlecht aufgestellt war, wie häufig behauptet. In der Ausstellung „Abenteuer der Vernunft“ konnten wir selbst erkunden, welche naturwissenschaftlichen Bereiche Goethe erforscht hatte. Schließlich gingen wir in der Fürstengruft auf Weimars historischem Friedhof dem Rätsel um Schillers Schädel nach.


Foto: N. Saier

Mit der Eröffnung des Bauhaus-Museums in Weimar konnte sich eine Gruppe auch detailliert dieser Epoche widmen:

Als unsere Gruppe sich für das Thema „Bauhaus“ entschied, konnten viele von uns mit diesem Thema nur wenig anfangen. Dies änderte sich durch eine Foto-Rallye, die uns zu vier Stationen führte: die Bauhaus-Universität, das Tempelherrenhaus, das Märzgefallenen Denkmal und das Haus am Horn. So erhielten wir einen groben Überblick über die Bauhaus-Entwicklung, Design, Künstler dieser Zeit und auch die Kritik aus der Bevölkerung. Im Neuen Museum, dem Bauhaus-Museum und im Haus am Horn konnten wir bei drei Führungen detailliertere Informationen sammeln.

Die dritte Gruppe untersuchte die Rolle Weimars während der NS-Zeit und mit welchen Mitteln die Stadt heute versucht, auch die Erinnerung an diese Zeit wach zu halten.

Durch eine Foto-Rallye lernten wir am ersten Tag eigenständig Orte mit nationalsozialistischer Vergangenheit kennen, beispielsweise das Ghettohaus, der Marstall oder das Hotel Elephant. Die Führung „ambivalente Geschichte“ lieferte uns Informationen über den Umgang der Nationalsozialisten mit Weimars Kulturdenkmäler.

Ein Programmpunkt aller Gruppen war die Besichtigung des Konzentrationslagers Buchenwald, das nur acht Kilometer von Weimar entfernt liegt. Zur Einführung schauten wir einen Film, in dem verschiedene Zeitzeugen über die menschenverachtenden Haft- und Arbeitsbedingungen im Lager berichteten. Anschließend wurden wir in zwei Gruppen über das Gelände geführt. Die Guides berichteten sowohl von der Täter- als auch von der Opferseite und versuchten das Thema sprachlich schülergerecht zu formulieren. Wirklich fassen konnten wir trotzdem nicht, wie Menschen jemals dazu kommen konnten, andere Menschen derartig methodisch zu Grunde zu richten. So waren wir nach dieser Besichtigung emotional und auch von der riesigen Materialmenge in der Dauerausstellung ziemlich erschlagen. Die Gruppe „Vergangenheitsbewältigung“ bekam deswegen am nächsten Tag noch etwas Zeit, um auf dem Gelände und in der Dauerausstellung Material für die Kurzfilme zu sammeln.

Für die weitere Arbeit wurden die drei Themengruppen in kleinere arbeitsfähige Gruppen unterteilt, die nun mit den zuvor gesammelten Fotos, Filmen, Interviews und auch gezeichneten Dokumenten einen Kurzfilm zu einer Fragestellung aus ihrem Themenbereich anfertigen sollten. Nach ungefähr acht Stunden intensiver Arbeit mit den I-Pads und der technischen Unterstützung der drei Projektbetreuerinnen von Youpedia, konnten alle Arbeitsgruppen sehenswerte Filmbeiträge vorstellen. Besonders aufwändig war es hier, die gesprochenen Texte, die Musik und die Untertitel in die Filme zu integrieren. Die Gruppen, die zum Thema Bauhaus arbeiteten, mussten besonders kreativ sein, da sie aus rechtlichen Gründen kaum Fotos nutzen konnten. Die Gruppen, die zur NS-Zeit arbeiteten, hatten sich schon im Vorfeld abgesichert und für ihr Filmmaterial in der Gedenkstätte in Buchenwald Genehmigungen eingeholt. So sind die Ergebnisse auch alle in der Form sehr unterschiedlich und einfallsreich:

https://www.youpedia.de/de/beitrag/goethe-und-die-natur

https://www.youpedia.de/de/beitrag/kritik-am-bauhaus

https://www.youpedia.de/de/beitrag/nils-wills-wissen

https://www.youpedia.de/de/beitrag/weimar-wie-die-stadt-die-ns-zeit-erinnert

https://www.youpedia.de/de/beitrag/ns-zeit-weimar-0

Natürlich durften auf unserer Fahrt auch die Freizeitaktivitäten nicht fehlen. Am ersten Abend noch ungewohnt früh ins Bett gefallen, gingen wir am Montag bowlen. Weil der Austausch zwischen der deutschen und der französischen Gruppe bis dahin noch etwas zögerlich und zurückhaltend war, wurden wir in gemischte Gruppen eingeteilt und bekamen zusätzlich Fragen zum besseren Kennenlernen. Den dritten Abend verbrachten wir im Theater im Gewölbe, in einem Stück namens „Goethe in concert“. Es war eine Aufführung eines Trios, welches Originaltexte und Zitate Goethes vortrug und diese musikalisch untermalte. Interessant war das Theater allemal, jedoch nicht unbedingt für Schüler geeignet. Wieder an der Herberge zurück, sammelte sich nach und nach die ganze Gruppe um ein Feuer in einer Feuerschale und ließ den Abend gemütlich ausklingen. Zum Abschluss war natürlich Party angesagt. Die Lehrer mieteten die Disco der Jugendherberge und wir verbrachten den letzten Abend tanzend und singend- sogar die Lehrer schwangen bei dem ein oder anderen Lied das Tanzbein.


Text: Kurs Js.1 BZF

Archiv der Beiträge