Das Schulleben am Grimmels

Archiv für 1. Juni 2019

Faust-Tragödie in einer modernen Form präsentiert

Geschrieben von Christian Haist am in Aktuelles, Archiv, Aufführungen, Presseberichte, Theater AG, Theater am Grimmels, Theateraufführungen

Theater-AG des Grimmelshausen-Gymnasiums brillierte bei Aufführung im Salmen / starke Darsteller

»Ein Teil von jener Kraft, die stets das Böse will und stets das Gute schafft« – es ist einer der berühmtesten Sätze des Mephisto in Goethes Faust, der in der vergangenen Woche im Salmen nicht gefehlt hat, als die Theater-AG des Grimmelshausen-Gymnasiums die Tragödie auf die Bühne brachte.

Es ist ein bekannter Stoff: Gott und Mephisto wetten darum, ob der Wissenschaftler Faust vom göttlichen Weg abzubringen sei. Mephisto versucht es also, erfüllt ihm jeden Wunsch, will im Gegenzug nach dessen Tod seine Seele. Faust willigt ein. Denn desillusioniert von seinem Leben auf der Erde, lässt er sich auf vieles ein, was Mephisto vorschlägt.

Als er Gretchen begegnet, verliebt er sich. Schnell wird Gretchen ungewollt schwanger. Doch als er das nächste Mal von ihr hört, sitzt sie bereits als Kindsmörderin im Gefängnis. Nach einem naiven und vergeblichen Versuch, sie von dort zu retten, stirbt die bereits verrückt gewordene junge Frau.

In seiner Inszenierung hat Hansjörg Haaser, der nach diesem Jahr die Schule, nicht aber die Theater-AG verlässt, die Tragödie »behutsam modernisiert und behutsam gekürzt«, wie er selbst nach der Aufführung erklärte. Bereits wer im Voraus das Plakat anschaute, konnte eine elementare Idee der Inszenierung erkennen: Faust war doppelt besetzt. Clemens Völker und David Schiebel teilten sich die Rolle. Völker spielte den Namensgeber des Stücks, bevor dieser sich von Mephisto eine Verjüngung wünschte. Schiebel auf seine ganz eigene, manchmal gar schon schelmische Art verkörperte den jüngeren Faust.

Besonders in der berühmten Kerkerszene am Ende wurde deutlich, wie gut Schiebel als Faust und Emilia Herzog in der Rolle des Gretchens harmonierten. Diese steigerte ihre bereits zuvor überzeugende Leistung im Finale noch einmal und zog das Publikum in ihren Bann.

Großen Gefallen fand dieses auch an Anna Vitiello in der Rolle des Mephisto.
Doch nicht nur Oberstufenschüler standen in der vergangenen Woche dreimal auf der Salmen-Bühne. Wie schon so oft hatte Hansjörg Haaser auch dieses Mal wieder jüngere Schüler mit eingebunden. So wie beispielsweise Baptist Orb, der den Schüler Fausts verschmitzt darstellte, zeigten sie, dass der Nachwuchs schon in den Startlöchern steht.

Behutsam modernisiert wurde vor allem das Bühnenbild. Im Hintergrund zeigte eine Leinwand das Umfeld einer jeden Szene und unterstützte inhaltlich so die Verse.
Abstrakt waren außerdem die inneren Stimmen von Faust und Gretchen wahrzunehmen, die dem Publikum die inneren Kämpfe des jeweiligen Charakters in Form von jeweils vier Schauspielern bildlich vor Augen führten.

Besonderen Eindruck auf das Publikum hinterließen außerdem zwei Szenen: die Hexenküche und die Walpurgisnacht. Schauriges Gelächter, Tänze mit Besen und wehende Röcke bannten die Blicke der Zuschauer. Gerade in diesen Szenen zeigte sich, mit wie viel Liebe zum Detail sich Silke Herbert um die Kostüme gekümmert hatte. Und dass es sich lohnt, mit Julia Kircher eine professionelle Tänzerin mit den Tänzen zu beauftragen.
Die Theater-AG entließ das Publikum mit der Gewissheit, dass zumindest Gretchens Seele gerettet wurde: »Sie ist gerichtet! – Ist gerettet!«

Text: J. Reinbold

Fotos: J. End

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